Liebe Anne… ein Brief an mich selbst.

Ein Brief an mich

Vor kurzem hatte ich eine Unterhaltung über Mädels im Teenie-Alter. Judendliche in dem Alter und speziell Mädchen sind nicht einfach, ganz bestimmt nicht. Für keinen der Beteiligten. Dieses Gespräch hat mich ein bisschen nachdenklich gemacht und ich habe mich zurück erinnert, wie das so war als ich Teenager war. Was würde ich meinem Teenie-ich heute gerne mitgeben, wenn ich es könnte? Was würde ich der sechzehnjährigen Anne gerne sagen? Deshalb habe ich einen Brief geschrieben – an die etwas jüngere Anne.

Liebe Anne,

ich kann mich noch gut erinnern wie du dich fühlst mit sechzehn. Es ist das Jahr 2000, wir haben gerade alle „das Millennium-Spektakel“ überlebt und die Welt ist glücklicherweise nicht unter gegangen. Alle PCs haben die Umstellung verkraftet, wir zahlen tatsächlich noch mit der guten alten D-Mark und von dem Internet hast du wahrscheinlich noch nie was gehört. Soweit so gut.

Ein Brief an mich

Du stehst wahnsinnig auf deutschen HipHop und feierst alles was aus Stuttgart kommt – dem Schoß der Kolchose – wahnsinnig ab. Ich glaube das ist auch die Zeit in der deine riesige, niemals endende Liebe für Stuttgart entsteht. Die ersten Abende im Club stehen an und du bist wahnsinnig stolz, wenn du am Türsteher vorbei kommst und stirbst tausend Tode, weil du ja eigentlich noch gar nicht rein darfst. In der Schule ist es nicht so einfach, sowohl von den Noten als auch von den Klassenkameraden her – also was das angeht alles eher so durchwachsen.

Das Leben fühlt sich auf der einen Seite unglaublich leicht an. Du bist jung, hast viele Träume im Kopf. Dir steht die Welt offen, wie man so schön sagt und eigentlich gibt es tausend Gründe überglücklich zu sein. EIGENTLICH. Denn andererseits fühlt sich das Leben so schwer an, manchmal dunkel und manchmal traurig. Manchmal hast du das Gefühl, dass dich keiner liebt, keiner dich so sieht wie du dich selbst siehst, wie du gesehen werden willst – und das alles kostet dich so viel Kraft.

Ein Brief an mich

Ich weiß, dass du Zeiten durch machst, die nicht einfach sind, dass du lernen musst, dass nicht jeder Freundschaft gleich interpretiert, dass viele deine Werte nicht teilen und die Liebe echt ein Arschloch sein kann. Aber lass dir eines gesagt sein: Alles was du erlebt hast, alles wo durch musst, alle schönen und schmerzhaften Erfahrungen die du gerade machst sind für etwas gut. Sie sind für mich, für uns gut – für unser späteres Ich.

Denn nur weil du in frühen Jahren so stark bist, vieles lernst und auf die „harte Tour“ erfährst, nur deshalb kann ich jetzt der glückliche, selbstbewusste, ausgeglichene und zufriedene Mensch sein der ich bin. Nur weil du als junges Mädchen nicht aufgibst, weil du stark bist, als viele gegen dich sind, weil du lachst auch wenn dir nicht danach ist und weil du immer an dich glaubt, nur deshalb kann ich das auch heute noch tun.

Und ja, es lohnt sich. Und ja, es wird alles gut. Du wirst die erste „große Liebe“ überwinden – ja es wird dich lehren, dass nicht alle Menschen nur gut sind, aber es wird dir auch lehren, dass es bei all der Liebe, die du für andere empfindest immer genauso wichtig ist dich selbst zu lieben. Dir selbst treu zu sein. Und ja, auch wenn du die Eltern nicht immer glücklich machst und dich an der ein oder anderen Stelle nicht gerade toll verhältst – sie werden dich immer lieben und immer für dich da sein. No matter what.

Ein Brief an mich

Du wirst Freundschaften finden, die so unglaublich tief, ehrlich und wunderschön sind – und du wirst sie erkennen wenn sie da sind. An diesem Punkt sind alle Menschen vergessen, die dich ausnutzen, kleinmachen oder runterziehen wollten. Und ich verspreche dir, es kommt der Punkt, wo du diese alten „Freunde“ wieder triffst und weißt, dass alles seinen Grund hatte. Im Laufe der nächsten Jahre wirst du dich immer mehr auf das Positive fokussieren und das negative so lange ignorieren, bis es da ist. Das wird dir helfen mit dem ein oder anderen schweren Moment umzugehen. Du wirst dir immer sagen: „Wer weiß wofür es gut ist.“

Ich möchte dir auch noch mitgeben, dass es okay ist, wenn dein Leben nicht wie eine gerade Linie verläuft. Manche Umwege und Sackgassen gehören dazu und es gehört auch dazu mal unvernünftig zu sein. Dein erwachsenes Ich wird es nicht bereuen, dass du in einer heißen Sommernacht ins Freibad eingestiegen bist, dass du bis morgens um 7 gefeiert hast und auch nicht, dass du dank Louping Louie keinen Tequila mehr sehen, geschweige denn riechen kannst. Das gehört dazu.

Ein Brief an mich

Wichtig ist vor allem, dass du auf dich vertraust – dir treu bleibst. Ich bin so stolz auf alles was du erreicht hast – dass du dich nicht verbiegen lässt und lieber jemanden aus deinem Leben streichst als dich manipulieren zu lassen. Wenn Menschen dich kritisieren, dann höre es dir an, denk darüber nach und dann entscheide was du damit machen möchtest, aber denke niemals jemand anderes wüsste wie dein Leben zu sein hat. Wie du zu sein hast.

Ich will dir auch unbedingt noch sagen, dass du noch nicht alles weißt, dass du niemals auslernen wirst und nein – auch wenn es sich so anfühlt – du weißt nicht wie das Leben läuft. Du hast noch nicht den kompletten Durchblick, bist nicht schlauer als alle Erwachsene und deine Eltern. Du siehst die Welt anders, hast einen anderen Blick auf die Dinge, aber das heißt nicht, dass alle anderen, die schon ein paar Jahre länger auf dieser Welt sind dich und das Leben nicht verstehen – glaub mir 😉

Ein Brief an mich

Und zuletzt noch ein Punkt: Nimm das alles nicht so schrecklich ernst. Es wird alles gut, es fühlt sich manchmal schwer an – aber das ist es nicht – genieße jeden Tag, probiere neue Ding aus, lerne die Welt und die Menschen kennen – und ganz ganz wichtig – vertraue deinem Bauch. Über die Jahre hat sich herausgestellt, dass der echt toll ist und sehr oft richtig liegt. Bei Menschen, bei Entscheidungen, bei Gefühlen.

Liebe Grüße

von der Anne mit doppelt so viel Lebenserfahrung…

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